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Esoterik – jenseits der Vernunft?

Der Begriff der Esoterik ist nur sehr schwer zu definieren. Aber allgemein gesprochen, handelt es sich bei der Esoterik um eine Geheim-Lehre, der ein begrenzter Personenkreis von Eingeweihten und Auserwählten folgt. Die Geheimgesellschaften haben sich gezielt abgegrenzt und so das Wissen exklusiv ihren Mitgliedern vorbehalten.

Natürlich ist das mit der Geheimlehre heute nicht mehr wirklich geheim ist, sondern ehr ein offenes Geheimnis. Früher war das jedoch anders. Und es musste anders sein, weil man sich in diesen Gruppen, oft mit Dingen befasste, die verboten oder nicht anerkannt waren. Viele Menschen wurden verfolgt, weil sie den Geheimlehren anhingen und so die aktuelle in Frage stellten. Ein bekannter Fall ist Nostradamus.

Ziel der Esoterik ist eine höhere Erkenntnis oder die Entzauberung der Welt. Vieles was früher nicht erklärbar war, ist es heute. Die heutigen Wissenschaften, wie Astronomie, Physik, Chemie, Medizin und Theologie, haben sich zu einem Großteil aus den esoterischen Bewegungen der Vergangenheit entwickelt.

1992 behauptete Antoine Faivre, man könne die Esoterik als eine Denkform begreifen. Zu diesem Zweck beschrieb er vier Basiskomponenten dieser speziellen Denkform, die ich an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.

Erstens die Entsprechung, damit ist gemeint, dass zwischen den Teilen der sichtbaren und unsichtbaren Welt symbolische oder reale Beziehungen bestehen. Diese Verbindungen können die Menschen erkennen und nutzen. Es werden zwei Arten der Entsprechung aufgeführt, in der Natur existente Konstellationen, die dem Menschen oder Teilen seiner Psyche oder seines Körpers entsprechen. Als Beispiele nennt er die christliche Kabbala und die Astrologie. Zweitens die lebendige Natur, sie wird in allen ihren Teilen als wesenhaft und lebendig angesehen, somit können ihr materielle Wirklichkeit und seelisch-geistige Eigenschaften zugeschrieben werden. Das werde in der paracelsischen Wissenschaft besonders deutlich.

Als dritten Punkt führt Faivre die Imagination und die Meditation an. Rituale, Geister, Engel und beispielsweise symbolische Bilder können die Entsprechungen vermitteln. Die Imagination ist hierbei eine entscheidende Hilfe. Sie erlaubt es dem Menschen mit anderen Welten in Verbindung zu treten. Der vierte und letzte Punkt ist die Erfahrung der Transmutation. Transmutation ist die Verwandlung von einer Sache oder eines Menschen in etwas qualitativ Neues. Man kann das in Bezug auf den Menschen mit einer Verwandlung in einen „wahren“ Menschen umschreiben.

Der Ansatz von Antoine Faivre wurde von vielen Esoterikforschern übernommen und fand somit Eingang in die vergleichende Forschung. Gleichzeitig wurde er aber auch stark kritisiert, weil er auf viele besonders historische Fälle von Esoterik nicht anwendbar ist.

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